Nasse Lederschuhen trocknen – So machen Sie es richtig!

Nasse Schuhe aus Leder trocknen

Die nasskalte Jahreszeit strapaziert unser Schuhwerk zusehends. Faltige, fleckige oder sogar brüchige Oberleder sind die Folge. In unserem Shoepassion-Journal zeigen wir, auf welche Weise Sie Ihre nassen Schuhe effektiv trocknen – und zwar ganz ohne Folgeschäden zu riskieren.

Wenn man mitten in einen unerwarteten Regenguss geraten ist, versehentlich eine Pfütze mitgenommen hat oder sich seinen Weg durch verschneite Straßen bahnen musste, das Ergebnis bleibt gleich: Die Schuhe sind klatschnass. Wer nun achtlos weiterschreitet, schadet nicht nur der eigenen Gesundheit. Auch die Schuhe leiden schmerzlich unter solch’ einem Martyrium. Die Folge: Das Oberleder wird überdehnt. Das das muss nicht sein!

Nasse Lederschuhe verlieren ihre Passform

Vor allem chromgegerbte Schuhe reagieren empfindlich auf Nässe und können sich bei zunehmender Luftfeuchtigkeit um ganze 16 bis 18 Prozent ausdehnen. Weitaus resistenter gegenüber Feuchtigkeit zeigen sich dagegen vegetabil gegerbte Lederschuhe. Bei ihnen beträgt die Flächenzunahme gerade einmal 6 Prozent. Übrigens: Bei trockenen Witterungsbedingungen ziehen sich chromgegerbte Lederschuhe enger um den Fuß zusammen und können unangenehm drücken. Doch das nur am Rande.

Sind die Schuhe erst einmal nass, greifen viele sofort zum Schuhspanner. Diese sogenannten Schuhformer glätten potentielle Gehfalten, erhalten die Passform und unterstützen aktiv die Trocknung von feucht-warmen Schuhen. Allerdings können selbst hochwertige Schuhspanner aus Zedernholz nur eine begrenzte Menge an Flüssigkeit aufnehmen. Statt vom Schuhspanner Wunder zu erwarten, empfiehlt sich folgende Prozedur.

Schuhe nass geworden? Erste Hilfe bei durchnässtem Schuhwerk

1. Schnelles Handeln bei durchnässten Schuhen

Entledigen Sie sich schnellstmöglich Ihrer durchnässten Lederschuhe, entfernen Sie die Schnürsenkel (so vorhanden) und öffnen Sie den Schuh so weit wie möglich. Stopfen Sie den Schuh anschließend mit Zeitungspapier aus, doch vermeiden Sie den Kardinalsfehler: Pressen Sie nicht Papier um Papier in den Schaft. Auf diese Weise beult das Oberleder nur unnötig aus und zeigt nach der Trocknung unschöne Verformungen. Ersetzen Sie in Abständen das bereits feuchte Papier durch trockenes, um die Trocknung zu unterstützen.

Doch Obacht! Wurde das Schuhwerk nur stellenweise durchnässt, zeichnen sich nach dem Trocknen häufig ärgerliche Wasserränder auf dem Oberleder ab. Wer solche Unregelmäßigkeiten auf dem Schuhoberteil verhindern will, sollte den Schuh so lange mit einem nassen Lappen abreiben, bis der Schaft gleichmäßig durchnässt ist. Erst danach kommen Zeitungspapier und Schuhspanner zum Einsatz.

2. Richtig trocknen – auch die Ledersohle schützen

Besteht ebenso die Laufsohle aus Leder, sollten die nassen Schuhe auf ein Gitter gestellt oder auf die Seite gelegt werden. Auf diese Weise ist auch für eine ausreichende Luftzirkulation an der Sohle gesorgt. Schuhe mit einer zusätzlichen Gummiprofilsohle können dagegen getrost aufrechtgestellt werden.

3. Schuhspanner erst im halbtrockenen Zustand einsetzen

Sind die Schuhe bereits leicht getrocknet, ist die Zeit für die Schuhspanner gekommen. Leicht feuchtes Leder ist noch ausreichend dehnbar und wird Ihnen die Unterstützung mit einer lang erhaltenen Passform danken. Ohne Schuhspanner zieht sich das Oberleder unverkennbar zusammen, Falten zeichnen sich ab und auch die Sohlenränder biegen sich unangenehm nach oben. Das kann im schlimmsten Falle dazu führen, dass die Schuhe beim nächsten Anziehen nicht mehr passen.

4. Pflege und Schuhcreme erst nach vollständigem Trocknen

Häufig von Dritten empfohlen, sollten nasse Lederschuhe keinesfalls mit Pflegemitteln behandelt werden. Zu früh angewendet, sorgen diese für Verfärbungen und dunkle Flecken auf dem Oberleder. Sind die Schuhe vollständig getrocknet, ist eine Pflege allerdings unverzichtbar. Schuhcreme und Co. spenden dem Oberleder die notwendigen Nährstoffe, welche ihm zuvor durch die unfreiwillige Wäsche entzogen wurden. Gleichzeitig wird die Farbe aufgefrischt und das Leder bewahrt seine geschmeidig-weiche Struktur.

Was Sie nicht bei nassen Schuhen tun sollten

Nasse Schuhe sollten niemals und unter keinen Umständen direkt an die Heizung oder etwa den Kamin gestellt werden. Zwar mag auf diese Weise die Trocknung beschleunigt werden, doch wird das Oberleder hart und brüchig. Jene sogenannten Wärmeschäden können nachträglich kaum behoben werden. Besonders vegetabil gegerbte Volllederschuhe reagieren auf solch’ eine Behandlung allergisch und verlieren ihre Zugfestigkeit. Einen großen Bogen sollten feuchte Treter auch vor direkter Heizungsluft in Autos oder in öffentlichen Verkehrsmitteln machen. Wer seine durchfrorenen Füße an solch’ einer Heizquelle wärmen will, riskiert, dass die Sohle durchbricht. Eine schnelle Trocknung birgt zudem noch eine ganz andere Gefahr.

Nasse Lederschuhe werden nur oberflächlich getrocknet, während die inneren Lederschichten feucht bleiben. Ein solch feucht-warmes Klima bietet wiederum den idealen Nährboden für Schimmel und Keime jeglicher Couleur. Bereits bei normaler Raumtemperatur trocknen durchnässte Schuhe, und zwar auch ohne eine direkte Wärmebestrahlung. Diese Prozedur mag zwar etwas länger dauern, doch sie schont das Leder.

Allein den klassischen Bootsschuhen macht es nichts aus, wenn sie von Zeit zu Zeit durchnässt werden. Doch selbst ihnen sollte man vor einer weiteren feucht-fröhlichen Bootsfahrt eine gewisse Schonzeit einräumen. Wer seine Schuhe erst gar nicht in nasse Bedrängnis bringen möchte, entscheidet sich mit dem aufkommenden Winter für die Galosche. Diese bequemen Überziehschuhe schützen die Schuhe vor Regen und Schnee und polieren das Oberleder zusätzlich beim Gehen. Und so schützen Sie auch vor kalten und nassen Füßen.

Bild: Shutterstock // Vicuschka

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